Wolfsburg zu stark für diese Bayern

5 zu 1! Ich habe dieses unglaubliche Ergebnis ungefähr so oft laut gedacht (und glaub ich auch ausgesprochen), dass ich es nach mittlerweile knapp 3 Stunden begriffen habe. “Gegen Wolfsburg!!”  Doch so unglaublich war das eigentlich gar nicht, wenn man sich das gesamte Spiel nochmal vor Augen führt.

Es begann relativ ausgeglichen, beide Defensivverbände standen gut, kompakt und waren äußerst aufmerksam. Ergo, beide Trainer haben um die Wichtigkeit der gegnerischen Offensive gewusst und ihre Spieler gut eingestellt. Auf Bayerns Seite stach aus meiner Sicht insbesondere der junge Breno hervor, der den Top-Torjäger Grafite nahezu komplett aus dem Spiel nahm, zudem bewies van Bommel seine Qualitäten als Abräumer (eindrucksvoll untermauert nach nur drei Minuten).

Auf Wolfsburger Seite wechselten sich Bazagli und Simunek in der Innenverteidigung mit der Bewachung von Luca Toni gut ab und ließen ihn ein ums andere Mal seine gewohnte Verzweiflungsgeste (zum Himmel betend bei sitzender Frisur) anwenden.

Beeindruckt war ich über das gesamte Spiel hinweg von der Wolfsburger Raumaufteilung. Ich kann mich an nur sehr wenige (eigentlich spontan nur eine) Szene(n) erinnern, wo es nur ein Wolfsburger war, der auf den ballführenden Münchner gegangen ist. Das war wirklich hochprofessionell. Vor allem Schweinsteiger und Ribéry kamen dadurch überhaupt nicht zur Entfaltung geschweige denn zu gefährlichen Durchbrüchen hinter die Viererkette.

“Man ist das eng da!” Habe ich ungefähr halb so häufig kundgetan, wie dann im späteren Verlauf bei der Ergebnisansage (5:1! 5 zu 1! Gegen Wolfsburg – das braucht jetzt Zeit denk ich).

Woran lags? Magath hat seine Jungs einfach taktisch perfekt eingestellt, kämpferisch hab ich beide Mannschaften auf Augenhöhe gesehen. Aber die defensiv klug agierenden Wolfsburger waren Vorne viermal so gefährlich im Vergleich zu einem unglücklichen Toni, einem abgemeldeten Ribéry, einem nahezu abwesenden Podolski (Ballack fehlte heut irgendwie) und einem hoffnungslos zugepflasterten, heimlichen Spielmacher Ze Roberto.

Was zudem fehlte, waren offensiv ausgerichtete Außenverteidiger, die mal Räume schaffen. Lahm und Lell hielten sich entweder an taktische Vorgaben oder hatten keine Puste – ich tippe mal auf Ersteres.

Die bayrische Innenverteidigung muss natürlich auch thematisiert werden. Demicheles verletzt gesperrt (in seiner momentanen Form kein Beinbruch) und van Buyten konnte aus privaten Gründen seine sportliche Chance nicht nutzen. Aber können solche Ausfälle für fünf Gegentore und zudem völliger Harmlosigkeit der Offensive herhalten? Nein, diese Tore hängen nicht am Innenverteidiger, sondern an der kompletten Defesnivarbeit. Breno meisterte seine Aufgabe zudem wie bereits zu Beginn erwähnt in der ersten Halbzeit sehr gut, an Lucio war bis zu – und eigentlich auch nach seiner Verletzung nichts auszusetzen.

In der zweiten Hälfte scheiterte der münchner Defensivverbund an den Stürmer-Qualitäten eines Dzeko und eines Grafite, die sich erst zeigten, als die schnellen Jungs Räume bekamen. Diese Freiräume nutzten sie eiskalt und zeigten damit zum einen ihre unumstrittene Klasse, zum anderen aber auch ein völlig unorganisiertes Defensivverhalten Seitens des (noch) Meisters.

Beim 3:1 durch Dzeko hatte Lahm nicht den Hauch einer Ahnung, was in seinem Rücken abgeht, erwartete wohl Breno helfend an seiner Seite, vermisste ihn aber, als es ernst wurde.

Wenn es also statisch bleibt im Spiel, die Abtastphase beider Mannschaften am Laufen ist, spielen die Bayern einen gepflegten Ball, wirken souverän und überlegen. Sobald es aber ernst wird und das Spiel offener bzw. schneller, scheinen sie defensiv überfordert und alles andere als meisterlich.

Das ist natürlich nicht in jedem Spiel so und hängt gravierend von der Qualität des Gegners ab, aber es häuft sich in dieser Saison doch auffällig.

Auffallend ist zudem die Einfallslosigkeit nach Vorne. Ich hatte das schon mal zum Thema gemacht, als die ersten Gerüchte eines Ribéry-Wechels aufkamen. Das Offensivspiel der Bayern lässt diese Saison keine Variablen zu. Es gibt kaum Überraschungspässe, läuft überwiegend nach Schema R und T ab. Wenn die beiden Stars fehlen merkt man richtig, das es auch anders geht. Nicht falsch verstehen, das Problem ist nicht die bloße Anwesenheit von Ribéry und Toni, das Problem ist, dass sich die restlichen Offensivakteure vor Verantwortung sträuben. Kann Schweinsteiger nicht mehr Eins gegen Eins gehen? Oder spielt er einfach gerne den Umweg über den Franzosen? Versteht Lukas Podolski das System bei den Bayern nicht? Nimmt Luca Toni denn jedesmal den einzig wahren Weg, der ihm dann versperrt bleibt? Oder warum sprintet er immer in die völlig verkehrte Richtung?

Auf diese Bayern kann sich jeder Verein richtig schön und bequem einstellen, jeder Verein, der taktisch fähige und laufstarke Defensivkräfte  und wenns hoch kommt (wie bei Wolfsburg), noch zwei Knippser im Team hat.

So werden die Bayern nicht Meister, bin sehr gespannt auf die Hausaufgaben in Bayerns Restprogramm mit demnächst Frankfurt und Bielefeld. Vor der Eintracht steht am Mittwoch noch ein ganz anderes Kaliber auf dem Spielplan. Also, um das hier mal optimistisch abzuschließen geh ich von einer ordentlichen Trotzreaktion aus!

(Optimismus-fördernder Beitrag in diese Richtung: Bayerns Statistik nach groben Heimpleiten – das “Heim-” kann man auch optimistisch wegoptimieren)

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Apr 4th, 2009


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2 Kommentare
Deine Meinung dazu: »

  1. basti … ich glaube du müsstest die überschrift anpassen ;) : “auch barca zu stark für bayern”. ai ai ai, das ist ja ne demontage bisher…

  2. wie wahr wie wahr … das war ein ganz bitterer abend. hoffentlich halten heut abend wenigsten bremen und der hsv die bundesliga im rennen

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