Wer schließt das Loch beim HSV?

Es war jetzt nicht die Überraschungsmeldung zum Start der Woche, es herrscht vielmehr die ersehnte Klarheit in der Hansestadt: Der Kapitän hat das Schiff noch im Hafen verlassen. Raphael van der Vaart wechselt nun definitiv zur kommenden Saison nach Spanien – und hinterlässt dabei offenbar ein großes Loch im offensiven Mittelfeld, dem Herzstück des Hamburger SV.

Nicht nur die Tore des holländischen Nationalspielers werden die Anhänger schmerzlich vermissen, auch die Rolle des Spielmachers scheint nun unbesetzt. Dazu kommt, dass die Verantwortung hinsichtlich Kapitänsbinde und die des Strafstoß-Vollenders nun neu verteilt werden muss.

Die Situation klingt aber aus meiner Sicht schärfer, als sie tatsächlich ist. Ich nehme einfach mal an, dass sich die Führung samt Trainer des Hamburger Sportvereins schon seit geraumer Zeit darüber im Klaren waren, dass van der Vaart noch vor Beginn der Saison 08/09 den Verein verlassen wird. Am liebsten wäre der HSV-Star schon viel früher ins sonnenreiche Spanien übergesiedelt. Am Trikot von Valencia hatte er schließlich schon geschnuppert.

van der Vaart signalisierte schon frühzeitig auch in den Medien, dass es ein großer Traum seinerseits wäre  in naher Zulkunft bei einem eurpäischen Top-Club zu spielen (ich untertreibe hier maßlos: van der Vaart zum Hamburger Abendblatt: “Wenn ich in Hamburg bleiben müsste, dann hätte ich Schmerzen”). Die Verantwortlichen beim HSV konnten also nicht sonderlich überrascht gewesen sein, dass der HickHack mit Real bereits in der Vorbereitung begann.

Es sieht für mich auch nicht so aus, als hätten sich Beiersdorfer und Co. noch große Hoffnungen gemacht, ihren Spieler halten zu können. Hier ging es schlicht und einfach um  eine angemessenere Ablöse für die Nummer 23. 7 Millionen… wie bereits in einem vorigen Beitrag erwähnt – eine Frechheit von Real Madrid, es hätte eher in die Region seiner Rückennummer beim HSV gehen müssen, wenn man hier halbwegs marktgerecht bezahlen wollte.

Nun können Trainer und Sportdirektor also ohne den Spielmacher für die neue Spielzeit planen. Viel Zeit bleibt nicht mehr bis das erste Pokal- bzw. Ligaspiel ansteht.

Und was nun? Neueinkauf?

Die 13 Millionen in einen neuen Spielmacher zu investieren, der gleich zu Beginn den Part von van der Vaart übernehmen soll, halte ich für den falschen Weg. Man konnte ganz gut die allgemeine Stimmung der Mannschaft bei Interviews des Emirates Cup einschätzen. Der (neue) Kapitän und Torwart Rost reagierte genervt auf die wiederholte Frage nach der Situation um van der Vaart und erklärte, der HSV bestünde nicht aus Raphael van der Vaart. Ähnlich drückten sich seine Mannschaftskollegen aus.

Hier zeigt sich, dass das Team sich in der jetzigen Situation ohne van der Vaart auf dem Platz ganz wohl zu fühlen scheint. Jeder der Akteure will beweisen, dass Erfolge der letzten Jahre oder auch Erfolgsansprüche der kommenden Saison nicht am scheidenden Holländer festgemacht werden sollten. Das Team zählt, und kaum jemand lebt den HSV-Teamgeist wie Frank Rost, der nicht nur für den Trainer zu den wichtigsten Spielern auf dem Platz zählt, die Verantwortung übernehmen wollen und können, sondern auch bei den Mannschaftskollegen großen Respekt für seine Einstellung erhält.

Soweit so gut, die K-Frage ist somit geklärt, nur wer übernimmt die Verantwortung im Spiel nach Vorne? Wer schießt Tore und vor allem, wer bereitet diese in der Manier eines 10ers vor?

Ich denke, dass Piotr Trochovsky die Rolle des Spielgestalters, Lenkers, Ideengebers und Vorbereiters gerne bekleiden würde (und dies aller Wahrscheinlichkeit auch machen soll), allerdings muss er dafür entweder noch härter arbeiten, oder sich bei Gott für unzureichende Talentaustattung beklagen. Ich sehe nicht das Potenzial für einen echten Spielmacher. Er ist ein guter Techniker, Dribbler und (wenn er konzentriert und einen guten Tag erwischt) Flankengeber. Aber doch eher auf den Außenpositionen und nicht hinter den Spitzen.

Ich denke, es wird zum einen noch ein offensiver Mittelfeldspieler gekauft (zumindest wird wohl der Versuch unternommen), allerdings wird hier nicht der 10er gesucht, sondern vielmehr eine Ergänzung zum gesamten Offensivkonzept des Trainers. Ich kann mit gut vorstellen, dass eine taktischen Variante aus mehreren offensiv agierenden Mittelfeldspielern, die mit viel Rotation im Spiel und einstudierten Spielzügen und Laufwegen die Lösung darstellt. Hier werden neben Trochowsky auch Zidane, Olic und DeJongh die Hauptdarsteller sein. Aber es bedarf hier definitiv noch an Alternativen und Ergänzungen …

Für die kommende Saison denke ich trotzdem, dass der HSV für so einige Überraschungen sorgen wird, und auch (oder vor allem) ohne van der Vaart erfolgreiche Ergebnisse zumindest in der Vorrunde erzielen und ganz oben mitspielen wird. Mein Tipp: Die Bayern werden zum Auftakt eine Niederlage kassieren, Torschütze: Zidane bedient von Trochow.. nee Quatsch, von Olic. Oder nee, Olic schießt das Siegtor nach Vorlage von Rost, ach egal, Bayern gewinnt! :-)

hier übrigens noch ein Interview nach dem Wechsel zu Real mit Raphael van der Vaart

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Aug 4th, 2008


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  1. [...] Tscheche David Jarolim ist neuer Kapitän des HSV, nicht Frank Rost, wie ich zunächst vermutet hatte. Dies gab Trainer Jol heute bekannt. Es ist eine nachvollziehbare Entscheidung für den [...]

  2. [...] vermeiden. Und als klar war das er geht, dann für wieviel. Van der Vaart verließ den HSV dann Richtung Real Madrid für 15 Mio. Euro. Neben van der Vaart verließ zum Saisonbeginn auch noch ein zweiter gedachter [...]

  3. [...] Tscheche David Jarolim ist neuer Kapitän des HSV, nicht Frank Rost, wie ich zunächst vermutet hatte. Dies gab Trainer Jol heute bekannt. Es ist eine nachvollziehbare Entscheidung für den [...]

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