Was treibt eigentlich Jürgen Röber?

Mai 4th, 2009

Jürgen Röber’s siebte Trainerstation führte ihn im vergangenen Jahr ins tiefe Russland in einen kleinen Vorort von Moskau, um die Erstliga Mannschaft FK Saturn Ramenskoje zu Bekanntheit zu verhelfen. Natürlich soll das in erster Linie sportlich geschehen, aber da das momentan noch nicht so richtig klappt, schreib ich mal etwas zu diesem beschaulichen Verein im Herzen Russlands.

Die Ambitionen sind groß bei Saturn, wurde schließlich enorm viel Geld in den Verein, die Infrastruktur, die Spieler und nicht zuletzt den Trainerstab gesteckt. Investor ist die Stadt, die ein prunkvolles Trainings- und Wohngelände bauen ließ. Super Voraussetzungen also für den sympathischen Röber. Vor allem wenn man bedenkt, dass neben einer luxuriösen Unterkunft auch ein eigens angestellter Chauffeur zum Alltag gehört (ein bisschen peinlich war ihm das schon im Interview mit dem ZDF…)

Hat er bei Partizan Belgrad wahrscheinlich nicht gehabt, geschweige denn bei seiner ersten Trainerstation Rot-Weiß Essen, wo er von ‘87 bis ‘93 erst Co- und dann Cheftrainer war. Die weiteren Arrangements als Trainer:

  • Vfb Stuttgart (’93 – ‘95)
  • Hertha BSC (’96 – ‘02)
  • VfL Wolfsburg (’03 – ‘04)
  • Partizan Belgrad (’05 – ‘06)
  • Borussia Dortmund (’06 – ‘07)

Aber Luxus ist schließlich nicht alles. Und dass nicht alles eitel Sonnenschein im Moskauer Vorort ist, weiß Jürgen Röber auch zu kritisieren. Da ist zum Beispiel das Sprachproblem. Zwar hat der Cheftrainer natürlich einen Dolmetscher (englisch – russisch), das Problem aber ist, dass dieser die englischen Ergüsse des Chefs schon mal gerne nicht komplett oder in Eigenregie auf russisch wiedergibt. Woher Röber das weiß? Das hat ihn der Topić gesteckt. Topić? Richtig. Topić. Der altbekannte Bundesliga Spieler von Energie Cottbus und Wolfsburg. 2005 zog es ihn dann nach Russland, weshalb er wohl auch von den Flunkereien des Dolmetschers (zudem auch Co-Trainer) Wind bekommen hat. Nicht gerade schön für Röber, wenn man keinen blassen Schimmer hat, welche taktische Raffinesse sich der Co mal wieder ausgedacht hat…

Neben Marko Topić hat Röber noch einen alten Bundesliga-Akteur unter seinen größtenteils russischen Spielern: Solomon Okoronkwo, ehemals Hertha BSC.

Aber auch die beiden ehemaligen Bundesliga-Spieler konnten – bisher zumindest – den momentan vorletzten Tabellenplatz nicht verhindern.

We’ve got no killer instinct

sagte Röber nach dem 0:5 zu Hause gg Rubin. Am 11. Mai geht es zum Meister Spartak – also rosige Aussichten zumindest was die Ortschaft angeht. Denn das kleine Vorörtchen hat außer dem Trainingsgelände und den neuen Wohnhäusern nicht allzu viel zu bieten. Langweilig hat er es glaub ich genannt in der ZDF Sportreportage am Sonntag. Da ist mit dem Ausflug in die Hauptstadt zumindest wohl ein kultureller Erfolg vorgeplant.

Wie es sportlich weitergeht wird wohl nicht Röber entscheiden, sondern die Polit-Prominez der Gemeinde, die sicherlich bei anhaltend schlechten Ergebnissen nicht sonderlich viel Geduld mit dem Deutschen haben wird. Vielleicht, vielleicht und nochmal vielleicht findet er ja zurück in die Bundesliga, beim VfL Wolfsburg soll ja bald was frei werden

[UpDate: Röber bei Saturn gefeuert]

Autor: Co-Trainer Basti





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5 Kommentare
Deine Meinung dazu: »

  1. [...] schon Verträge? Fehlen nur noch Loddar, Kahn, Scholl und Guus Hiddink. Vielleicht kann man ja auch Jürgen Röber und Okoronkwo im Doppelpack aus dem Vertrag mit FK Saturn Ramenskoje [...]

  2. Schöner Artikel. Mal wieder etwas, was man nicht überall zu lesen bekommt. Weiter so. :)

    Gruß Felix

  3. vielen dank felix… mach ich ;-)

  4. [...] Beitrag “Was treibt eigentlich Jürgen Röber?” muss korrigiert werden, denn der frühere Coach von Stuttgart, Wolfsburg und der Hertha ist [...]

  5. Klasse Artikel, endlich mal was anständiges! gibts nicht überall zu lesen!

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