U20-WM in Ägypten – Und keiner darf hin
Sep 23rd, 2009Vom 24.September bis zum 16. Oktober findet die Weltmeisterschaft der U20-Junioren in Ägypten statt und Deutschland nimmt als amtierender U19-Europameister daran teil. “Wir wollen uns wie der amtierende Europameister präsentieren. Das heißt, wir wollen die Spiele selbst bestimmen, die Partie mit unseren Offensivaktionen kontrollieren, körperlich präsent sein und fussballerische Qualitäten demonstrieren”, so U20-Nationaltrainer Horst Hrubesch.
Das Problem dabei: der Trainer muss auf 27 Spieler verzichten, da die Bundesligavereine ihren Talenten größtenteils die Freigabe verweigern. Von den 17 eingesetzten Spielern bei der Europameisterschaft stehen nur noch im fünf Aufgebot von Horst Hrubesch. Dabei sind Torwart Ron-Robert Zieler (Reserve Manchester United), Florian Jungwirth (1 Spiel Regionallige Süd/ 1860 München), Mario Vrancic (RW Ahlen/ 1 Spiel 2.BL), Björn Kopplin (Bayern München II), Lars Bender (Bayer Leverkusen) und Richard Sukuta-Paso (RL West Bayer Leverkusen).
Dagegen stehen Absagen aus der Bundesliga von den Nürnbergern Diekmeier (6 Spiele) und Risse (5 Spiele), Stuttgarts Timo Gebhart (6 Spiele), den Ergänzungsspielern Reinartz und Sven Bender von Leverkusen und dem BVB. Außerdem fehlen verletzungsbedingt Ömer Toprak (schwerer Kartunfall) und Danny Latza (Mittelfußbruch), aus der 2. Bundesliga die beiden Leistungsträger in ihren Vereinen Bastian Oczapka (Hansa Rocstock) und Deniz Naki (St.Pauli). Ebenso sind nicht dabei: Nsereko (AC Florenz), Badstuber und T.Müller von den Bayern, Toni Kroos (Leverkusen), Choupo-Moting (Nürnberg), Schieber und Rudy (Stuttgart), Bargfrede (Werder), Gündogan (Nürnberg), Moritz (Schalke 04) und der Mainzer Schürrle.
Eine lange Liste an prominenten Absagen und stattdessen eine talentierte B-Elf aus Dritt- und Regionalligaspielern. DfB-Sportdirektor Matthias Sammer sieht schon jetzt das Ansehen des deutschen Fußball in Gefahr: „Man kann die Vereine nicht zwingen, die Spieler zur U-20-WM zu schicken. Wie wir uns als deutscher Fußball in Ägypten präsentieren müssen, ist eine Schande“, so Sammer zur dpa.
Aber die Frage ist, ob man die Vereine dafür kritisieren darf, dass sie die Freigabe ihrer Talente und Stammspieler verweigern. Im Zeitraum der WM finden vier Bundesliga- und zwei Eupopapokalspieltage statt. Nicht zu vergessen die heutige DfB-Pokal-Runde. Und für sieben Spiele aus Vereinssicht auf Stammkräfte oder Perspektivspieler verzichten? Nur Wegen einem Juniorenturnier? Würde ich auch nicht machen. Stichwort Kaderplanung.
Aus der anderen Sicht – der Sicht des DfB – ist es natürlich sehr enttäuschend. Da holen alle Juniorennationalmannschaft die Europameisterschaft und dann musst du dich mit einer Rumpfelf bei einer WM präsentieren. Der Ärger und die Enttäuschung ist verständlich.
Aber das Problem ist mal wieder von der FIFA hausgemacht. Auf Grund der klimatischen Bedingungen in Ägypten hat man das Turnier in den Herbst gelegt, um nicht mitten im Sommer die WM austragen zu müssen. Da dies nun einmal in die europäische Saison fällt, hat man das Turnier nicht in den internationalen Spielkalender integriert und dadurch gibt es auch keine Abstellungspflicht für die Vereine. Hat man da etwa wieder gepennt und die ganze Diskussion aus der vergangenen Saison rund um das olympische Fußballturnier vergessen? Schon dort versagten die Vereine die Abstellung von Spielern.
Für mich wirkt das dilettantisch: machen wir doch eine WM in Ägypten – oh, da ist es aber heiß im Sommer – naja, dann halt im Herbst – Mist, wir haben die Anstellungspflicht vergessen…Damit hat die FIFA leider vielen Spielern die Erfahrungsmöglichkeit einer WM genommen. Und mir – ganz egoistisch gesehen – eine weitere Überbrückungsmöglichkeit der Sommerpause. Ich schließe mit Sammer: «Die Wahrheit ist, dass die FIFA die WM nicht in den internationalen Spielkalender aufgenommen hat und ihr zweithöchstes Turnier in so einem Fiasko enden lässt. Die ganze Angelegenheit ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten»
Autor: Trainer Bussi