Kritik an Schiedsrichtern wächst – Wo sind die Profis?
Er ist der Typ, der gerne als Sündenbock für Niederlagen herhalten muss. Gegebene oder auch nicht gegebene Elfmeter, strittige Rote Karten, offensichtliche Sympathien mit der gegnerischen Mannschaft … Dabei hat dieser Typ mit seinen beiden Begleitern den wohl härtesten Job auf dem Rasen. Keine Frage, ohne drei Zeitlupen wären die meisten Kritiker hoffnungslos verloren, wenn es um die Beurteilung einer kniffligen und zudem spielentscheidenden Situation kommt. Abseits oder nicht? Foul inner- oder außerhalb? War es überhaupt ein Foul?
Häufig wird Spielern & Trainern kurz nach Abpfiff ein Mikro in den Mund gestopft mit der Frage, “wie sahen Sie die Szene in der xten Minute?”, waren die befragten Spieler selbst beteiligt, fällt die Antwort meist günstig zur eigenen Auslegung aus. Werden Trainer oder Außenstehende gefragt, hört man oft “hab die Bilder noch nich gesehn, muss ich mir erst anschaun”.
Schiedsrichter haben keine Zeitlupe, müssen in Sekunden entscheiden. Bei der Antwort gibts nur selten ein vielleicht, zumeist gibts nur richtig oder falsch. Wenn ein Schiedsrichter einen vermeintlich klaren Elfmeter verweigert, bekommt er den Fehler mit fünfzehn entlarvenden Zeitlupen vorgesetzt und muss sich vor aufgebrachten Trainern, Spielern, Fans und kritischen Medien verantworten.
Gar nicht so einfach, auf der anderen Seite zwingt sie auch keiner, den Job zu machen. Das ist wie bei Zahnärzten, kann mir auch nicht vorstellen, ander Leute Zähne zu ziehen oder schlimmeres.
Was aber auffällt ist die zunehmende Kritik an den Schiedsrichtern in der Bundesliga, die auch durch eine veröffentlichte Studie richtig auflebt. Laut einer Auswertung der IMPIRE AG liegen Schiedsrichter in dieser Spielzeit häufiger falsch bei ihren Entscheidungen. Gut, ich weiß nach diesem Bericht von Sport1 nicht allzuviel über diese Auswertung, keine Vergleiche, nix ausführliches etc., aber damit wird mein Eindruck gestärkt, dass Schiedsrichter zumindest subjektiv gefühlt bei wichtigen, spielentscheidenen Szenen häufiger falsch liegen.
Der Vorsitzende des DFB-Schieri-Ausschusses Volker Roth entgegnet der wachsenden Kritik an seiner Zunft mit einem Gegenschlag. Die Ursache liege vor allem im Verhalten der Spieler begründet. Schwalben soweit das Auge reicht, das Benehmen einiger Spieler sei eine Frechheit.
Es haben sicher beide Parteien, Schiedsrichter wie Vereinsangehörige, Argumente auf ihrer Seite, die den schwarzen Peter munter hin- und herschieben lassen können.
Fakt aber ist, dass Kritik ja nicht ohne weiteres aufkommt, dafür gibt es Gründe. Zum Beispiel die wachsende Zahl an Fehlentscheidungen, die leider Tore zulassen oder eben nicht zulassen, die irregulär oder regulär gewesen sind.
Mir persönlich gehts schon ziemlich auf die Nerven, wenn ein Tor, wie das von Luca Toni vor ein paar Wochen gg Hamburg, zu Unrecht als Foul abgepfiffen wird. Fehlentscheidungen gehören dazu, richtig. Ich will auch keinen TV-Beweis oder ähnliche Spielereien, aber es wäre wünschenswert, dass Schiedsrichter sich noch stärker mit ihrem Beruf auseinandersetzen. Also “Schiedsrichter” hauptberuflich betreiben, und nicht als Nebenjob. Mit der Forderung nach Profi-Schiedsrichtern stehe ich nicht allein da, das wollen auch andere. Roth winkt ab, sieht es als Populismus, in England würde das ja schließlich auch nicht gemacht. Super Argumentation! Extrem hilflos dieser Blick nach England.
Schiedsrichter hauptberuflich zu betreiben hätte einen gravierenden Vorteil gegenüber der jetzigen Situation, nämlich mehr Zeit. Mehr Zeit für Tagungen, Seminare, Schulungen, Fitness, Regelkunde, Termine bei Psychologen und Mentaltrainern etc etc. Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Dasein Schiedsrichter als Beruf führt in meinen Augen zu einer Qualitätssteigerung bei der Ausübung.
Die große Verantwortung, die auf den Schultern der Schieris lastet, macht den vollprofessionellen Umgang mit diesem Job erforderlich. Welcher Einfluss von Fehlentscheidungen ausgeht, ist schwer zu konkretisieren, aber Anhaltspunkte geben beispielsweise die “wahren Tabellen” der Bundesligen.
Auf wahretabelle.de ist unter anderem diese Auswertung zu finden, eine “Begradigung” der Tabelle unter Einfluss der Fehlentscheidungen. So hätte Toni’s Tor gegen den HSV beispielsweise einen Punkt zusätzlich gebracht.
Bayern München führt die “korrigierte” Tabelle mit drei Punkten Vorsprung vor dem eigentlichen Tabellenführer Hertha an. Klar, das kann nicht für bahre Münze genommen werden, da Tore erheblichen Einfluss auf die Spielweise beider Mannschaften haben und der Ausgang bei eventuellen Ereignissen nicht prognostizierbar ist, aber man bekommt mit der wahren Tabelle einen überschaubaren Vergleich, welche Mannschaften denn besonders vom Pech falsch liegender Schiedsrichter betroffen sind.
Ich sehe hier Handlungsbedarf, Schuldzuweisungen führen zu nichts, sorgen eher für gereizte Stimmung zwischen den Lagern, die sich dann am Samstag Mittag auf dem Platz entlädt. Also, her mit dem Profischiedsrichter, verdienen tun die Top-Schieris dafür definitiv genug.
---Mrz 11th, 2009
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“Gar nicht so einfach, auf der anderen Seite zwingt sie auch keiner, den Job zu machen. Das ist wie bei Zahnärzten, kann mir auch nicht vorstellen, ander Leute Zähne zu ziehen oder schlimmeres.”
Dann ein hoch auf Schiri-Legende Dr.Markus Merk, der es vollbringt deine beiden Schreckensberufe zu vereinen :-)