Hinrundenbilanz Teil 5: Die UEFA-Cup-Plätze
Jan 27th, 2009Hier nun der vorletzte Teil der Hinrundenbilanz, die Plätze 4 – 6. Alle Mannschaften auf diesen Rängen haben eines gemeinsam: Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und der Hamburger SV sind alle mit einem neuen Trainer in die Saison gestartet. Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen setzten auf die Jugend, der HSV verkaufte und investierte viel. Hier nun ein genauerer Blick im einzelnen.
Borussia Dortmund (Platz 6)
Die Erwartungshaltung zu Saisonbeginn war groß bei der Dortmunder Anhängerschaft: “Platz 1 – 5 sollte es schon werden.” Der Grund für die hohe Erwartungshaltung nach Jahren in den Niederungen der Bundesliga ist eindeutig: Deutschlands Trainerliebling Jürgen Klopp wurde verpflichtet.
Trainer Jürgen Klopp dämpfte allerdings die hohen Erwartungen: „Die Schrittlänge muss stimmen, denn hinter uns tobt die Gier, etwas erreichen zu wollen.“ BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ergänzte: „Wir werden uns nach außen von den Medien nicht treiben lassen. Wir verkünden kein Saisonziel. Intern wissen wir jedoch, was wir wollen.“ Attraktiven Fussball mit Herz versprach der neue Trainer allerdings und 9000 Fans pilgerten zum ersten öffentlichen Training der Dortmunder.
Nach der Hinrunde steht der BVB nun auf dem 6. Tabellenplatz mit 29 Punkten und mit nur 2 Niederlagen (in Hoffenheim und beim HSV) – die wenigsten neben den Bayern. Die beste Hinrunde seit fünf Jahren. Und mit nur 19 Gegentoren – einzig Erzrivale Schalke 04 hat weniger. Bemerkenswerte Steigerungen, denn die Dortmunder waren letzte Saison noch die Schießbude der Liga mit 62 Gegentreffern.
Mats Hummels und der Mainzer Neuzugang Nevan Subotic (Klopps Wunschspieler, kam für 4 Mio. Euro) bildeten den größten Teil der Hinrunde die Innenverteidigung, auf den Außenbahnen waren eigentlich die erfahrenen Dede und der aus Bremen gekommende Patrick Owomoyela vorgesehen. Owomoyela wurde allerdings erst wieder zum 9. Spieltag richtig fit, Dede riss sich im ersten Spiel das Kreuzband. Daraufhin wurde der Südkoreaner Young-Pyo Lee kurzfristig verpflichtet, der sich als echte Verstärkung erwies.
Alternativen in der Abwehr waren der aus der Jugend gekommende Schmelzer, der 22 jährige Neuzugang Felipe Santana und der im Winter 2008 gekommende Rukavina (24 Jahre). Mit den bereits erwähnten Hummels und Subotic (beide 20 Jahre) eine der jüngsten Defensiven der Liga – eine radikale Verjüngungskur.
“Das ist für uns genau der richtige Weg”, so Geschäftsführer Watzke, “dieses Modell wird von den Fans angenommen und von der nötigen Geduld begleitet, wenn Klopps Forderung nach Fußball mit Herz dabei konsequent umgesetzt wird.”
Weitere wichtige Neuzugänge sind Spielmacher Tamas Hajnal (Karlsruher SC) und Klopps “Ziehsohn” Mohamed Zidan, der im Tausch plus 4 Millionen für Mladen Petric kam. “Wenn der Hamburger SV einen Spieler wie Petric haben will, ist es für uns in Dortmund schwer, ihn zu halten. Wir haben das Beste aus der Situation gemacht und bekommen neben Zidan auch noch ein bisschen Geld”, so Klopp.
4 Tore stehen auf dem Konto des Stürmers, der jedoch noch nicht an seine starke Form zu Mainzer Zeiten anknüpfen kann. Und auch die weiteren Angreifer liefen ihrer Form hinterher. Der Schweizer Alexander Frei (12 Spiele, 4 Tore, davon nur eins über die volle Distanz) kommt unter Klopp nach etlichen Verletzungen nicht richtig in Tritt und ist mit seiner Situation unzufrieden , der zum Anfang der Saison gesetzte Valdez verletzte sich zur Mitte der Hinrunde (12 Spiele, 2 Tore). Bezeichnend daher, dass Verteidiger Subotic die interne Dortmunder Torjägerliste mit 5 Toren anführt.
In der Winterpause gab es nun auch noch Bewegung im Kader. Die in Dortmund glücklosen Giovanni Federico (zurück zum KSC) und Diego Klimowicz (VfL Bochum), sowie Mittelfeldmann Kruska (FC Brügge) verließen den Verein. Kevin Prince Boateng wurde bis zum Saisonende von Tottenham ausgeliehen und soll im dünnbesetzten Dortmunder Mittelfeld den Konkurrenzkampf schüren. Denn bisher waren Kringe, Tinga, Hajnal, Kehl und der häufig im Angriff eingesetzte und stark aufspielende Blaszczykowski die einzigen Alternativen für Jürgen Klopp.
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Bayer Leverkusen (Platz 5)
Auch in Leverkusen hieß wie in Dortmund die Devise: alles neu zu Saisonbeginn. Nachdem in der vergangenen Saison der europäische Wettbewerb am letzten Spieltag durch eine 1:0 Heimniederlage gegen Werder Bremen verspielt wurde und man damit hinter den eigenen Zielen blieb, sollte es nun auch in Leverkusen ein neuer Trainer richten. Anstelle des glücklosen Michael Skibbe sollte nun Bayers Wunschkandidat Bruno Labbadia die Leverkusener wie in den vergangenen 10 Jahren (mit Ausnahme der Katastrophensaison 2002/ 03, wo man nur knapp den Klassenerhalt schaffte) zurück in den europäischen Wettbewerb führen. “Bruno Labbadia hat bei Greuther Fürth mit bescheidenen Mitteln tollen Fußball spielen lassen. Er hat in hervorragender Art und Weise seinen Stil durchgesetzt. Bruno war ganz klar unser Kandidat Nummer eins”, so der Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.
Nachdem die Routiniers Ramelow und Barbarez letzte Saison ihr Karriereende verkündeten wurde der bereits 2007/ 2008 begonnene Umbruch vorangetrieben. Neben dem nach etlichen Transferquerelen nun endlich in Leverkusen angekommenen Nationalstürmer Patrick Helmes (ablösefrei vom 1.FC Köln) wurde der 22 jährige Djakpa (1 Mio.) für die Außenbahn, sowie der 10 Mio. Neuzugang Renato Augusto (Brasilien, 20 Jahre) verpflichtet. Dazu wurden Henrique (22 Jahre, FC Barcelona) und nach Verletzungspech auf der Außenverteidigerposition noch Michal Kadlec (24 Jahre, mit Kaufoption im Sommer 2009) ausgeliehen.
Nach einem mäßigen Saisonstart, 6 Punkte nach 4 Spielen und dem 7. Platz, fand Trainer Labbadia aber seine Stammformation und mit starkem Offensivfussball und aus einer stabilen Deckung heraus fand sich die junge Mannschaft am 13. Spieltag auf Platz 1 wieder. Ein großes Plus in dieser Zeit war, das Bayer von größeren Verletzungen verschont blieb und Labbadia kaum seine eingespielte Mannschaft umbauen musste. Vom 1. bis einschließlich den 15. Spieltag standen immer Rolfes, Renato Augusto, Arturo Vidal, Barnetta im Mittelfeld und das Sturmduo Helmes/ Kießling in der Startformation. Einzig Barnetta fiel 3 Spiele aus, wurde aber gleichwertig vom 21 järigen Schwegler ersetzt. Nach der Verpflichtung Kadlecs (5.Spieltag) kristallisierte sich auch in der Verteidgung um Torwart Adler die feste Formation heraus: die Innenverteidiger Manuel Friedrich und Henrique sowie auf den Außenbahnen Castro und Kadlec sorgen neben den oben angesprochenen Spielern für einen Altersdurchschnitt von knappen 24 Jahren.
Allerdings gab es aber auch einige Rückschläge in der Hinrunde: so wurde das Tor gegen die Hertha nicht getroffen und man verlor unverdient mit 1:0 durch einen späten Gegentreffer durch Voronin. Gegen Karlsruhe wurde eine 3:0 Führung verschenkt und man spielte nur Unentschieden, am letzten Spieltag kassierte man zu Hause noch in der Nachspielzeit gegen Cottbus den Ausgleich. Liegen gelassene Punkte, die in der Abrechnung um den Kampf um den europäischen Wettbewerb wehtun können.
In Leverkusen ist man aber gewarnt – besonders da man vergangene Saison nach einer starken Hinrunde in der Rückrunde einbrach. “Wir haben für viele schöne Momente gesorgt, das darf man nicht vergessen. Genauso wenig wie man vergessen darf, was möglich gewesen wäre. Man sieht, wie eng es für uns ist”, sagt Labbadia, “nach oben ebenso wie nach unten.” 3 Punkte Rückstand auf die Führenden Bayern München und Hoffenheim, 3 Punkte Vorsprung auf Platz 6. Also noch alles drin.
Und in der Rückrunde wird sich der Konkurrenzkampf noch verschärfen. Die beiden Langzeitverletzten Bernd Schneider (8 Monate Pause wegen Bandscheibenvorfall) und Lukas Sinkiewitz (Kreuzbandriss) sind wieder zu der Mannschaft gestoßen und werden in der Rückrunde angreifen. Zudem wurde der in Bochum aussortierte Thomas Zdebel kurzfristig verpflichtet. Der 35 jährige soll mit seiner Erfahrung der Mannschaft helfen.Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser: “Das ist eine strategische Entscheidung. Jens Hegeler wird in Augsburg Spielpraxis bekommen, die er bei uns aufgrund unserer starken Mannschaft sicherlich nicht bekäme. Thomas Zdebel dagegen wird als gestandener Bundesliga-Profi eine sofortige Verstärkung unseres Kaders sein.”
In Leverkusen wird zudem weiter an der Zukunft gebastelt. Das Stadion der Leverkusener, die BayArena wird ausgebaut auf über 30.000 Plätze. Daher werden die Heimspiele der Rückrunde in der Düsseldorfer LTU-Arena ausgetragen. Um ein heimisches Gefühl aufzubauen wird dazu sogar die alte Kabine in der Bayarena 1:1 kopiert. Und auch an dem Kader für die Zukunft wird schon gearbeitet. Der 20 jährige Schweizer Erin Derdiyok wird im Sommer nach Leverkusen wechseln ebenso wie der Freiburger U21 Nationalspieler Daniel Schwaab. 2010 soll das Top-Talent Lars Bender von 1860 München kommen.
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Hamburger SV (Platz 4)
Der Hamburger Saisonbeginn stand unter der Fragestellung: Geht er, oder geht er nicht. In der Hansestadt wollte man das Wechseltheater um seinen Regisseur Raffael van der Vaart wie in der vorangegangenen Saison ( “Ich will unbedingt weg, Valencia ist ein Traum”) unbedingt vermeiden. Und als klar war das er geht, dann für wieviel. Van der Vaart verließ den HSV dann Richtung Real Madrid für 15 Mio. Euro. Neben van der Vaart verließ zum Saisonbeginn auch noch ein zweiter gedachter Eckpfeiler des 2006 eingeläuteten Neuaufbaus den Verein. Der junge Belgier Vincent Kompany, der allerdings nicht den großen Sprung vom Talent zum erhofften Abwehrchef schafte, ging zum neureichen saudiarabischen Klub Manchester City für 8,5 Mio Euro.
Hamburgs neuer Trainer, Martin Jol, machte besonders der abgang von van der Vaart zu schaffen: 2Rafael war an 60 Prozent der Tore beteiligt, seine Quote war fast besser als die eines Stürmers. Wir werden noch was tun, damit wir unsere Ziele erreichen können. Ich brauche aber fertige Spieler, alles andere wäre ein Witz.”
Man entschied sich in Hamburg für zwei Brasilianer: Alex Silva aus Sao Paulo als Ersatz für Kompany und der auch von Atletico Madrid umworbene Thiago Neves von Flamengo sollten das Erbe der beiden Abgewanderten antreten. “Es war nicht einmal eine Frage des Gehalts, da Fluminense mir am Ende mehr als Hamburg geboten hat. Aber es ist eine Herausforderung für mich. Ich hoffe, ich werde glücklich in Hamburg.”
Allerdings waren die beiden anfänglich nicht die erhofften Verstärkungen. Neves stand in gerade einmal 6 Partien in der Bundesliga auf dem Platz, wurde davon zweimal eingewechselt und viermal ausgewechselt. Alex Silva begann beim HSV in der Innenverteidigung mit katastrophalen Leistungen – er wurde erst zur Mitte der Hinrunde von seinem Trainer ins defensive Mittelfeld beordert, wo es besser klappte.
Weitere Neuzugänge in der Hansestadt waren die beiden jungen, aus Freiburg gekommenen, Aogo und Pitroipa, Stürmer Mladen Petric im Tausch mit Zidan plus Schmalz, sowie der überraschend aus München gewechselte Nationalspieler Marcell Jansen, der allerdings auch 5 Spieltage mit einem Muskelfaserriss nicht auflaufen konnte.
Die linke Verteidigerposition ist sowieso ein bischen die Achillesferse des HSV’s. Auf Grund von Verletzungen und schwachen Leistungen, setzte Jol 5 Spieler in der Hinrunde auf dieser Position ein. Verletzungen von Benjamin (5 Wochen ) und Atouba (fiel am 8. Spieltag bis zur Winterpause aus), sowie schlechte Spiele von Jansen und Matthijsen brachten Neuzugang Dennis Aogo einen Stammplatz auf der Position zum Ende der Hinrunde ein.
Schmerzlich vermisst wurde Nigel de Jong im defensiven Mittelfeld, der sich Anfang Oktober verletzte und bis zur Winterpause verletzte. Das 2:1 bei Energie Cottbus war sein letztes Spiel für den HSV. Er folgte in der Winterpause Vincent Kompany zu Manchester City für 19,5 Mio. Euro – ein ordentliches Transferplus der Hanseaten, denn verpflichtete man den Niederländer Anfang 2006 noch für schlappe 1,5 Mio. von Ajax Amsterdam.
Und ansonsten steht das Gerüst der Mannschaft. In der Innenverteidigung sind Routinier Reinhardt und Matthijsen gesetzt, auf der rechten Verteidigerposition herrschte Konkurrentkampf zwischen Demel und Jerome Boateng, den Demel zu letzt für sich entschied und auf der Sechs überzeugte zu letzt Alex Silva.
In der Kreativabteilung ziehen Neu-Kapitän David Jarolim und Piotr Trochowski die Fäden und im Angriff sorgen Olic (6 Treffer) und Petric (8 Treffer) für Gefahr.
Nun steht der HSv auf dem 4. Tabellenplatz, punktgleich mit dem Dritten Hertha BSC, zwei Punkte hinter der Tabellenspitze. Im DFB-Pokal geht es heute gegen Zweitligist TSV 1860 München, im UEFA-Cup überwinterte man als Gruppenerster vor Aston Villa und Ajax Amsterdam und trifft nun auf den niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen.
Für Vorstandvorsitzenden Bernd Hoffmann Grund genug einen Titel zu fordern: “So stolz wir auf unsere organische Entwicklung der letzten Jahre sind, sie muss jetzt auch mal zu einem herausragenden sportlichen Erfolg führen. Deshalb ist es ein entscheidender Punkt, der Mannschaft ein Titelgen einzuimpfen.”
Dafür ist jedoch der Trainer gefragt, diesen, nennen wir ihn großen Durchlauf an Spielern, richtig einzubauen. Und es ist bis jetzt kein Ende in Sicht, da der HSV weiter auf der Suche nach neuen Verstärkungen ist. Ein Nachfolger für de Jong wird gesucht, Gerüchten zu Folge ist man auch am bosnischen Innenverteidiger Emir Spahic von Lok Moskau dran. Ein Transfer allerdings ist in der Winterpause schon getätigt worden. Aus Mönchengladbach kam Marcel Ndjeng.
Ich sehe den Hamburger SV von den Topmannschaften her als Bayern Verfolger Nummer 1.Hertha wird die großartige Hinrunde nicht wiederholen können, Hoffenheim hat noch nicht die Breite des Kaders um die Verletzung von Ibisevic und möglichen weiteren Ausfällen der Leistungsträger zu kompensieren.
Der HSV ist noch immer zu Hause ungeschlagen (7 Siege, 1 Unentschieden gegen Schalke) und haben einen sehr breiten Kader, der eventuelle Ausfälle kompensieren kann. Vielleicht noch ein, zwei hochkarätige Verstärkungen, auswärts ein bischen mehr Konstanz (3 Siege, 2 Unentschieden, 4 Niederlagen, davon 3 mit 0:3), dann sollte mindestens Platz 3 möglich sein.
Autor: Trainer Bussi
[...] soll diesmal natürlich anders laufen, dafür sollen die Neuzugänge bei Leverkusen, der langsam wieder genesene Schneider und das Stürmer-Duo Kießling und Helmes unter der ruhigen [...]