Hinrundenbilanz Teil 4 – In Schlagdistanz zu Europa

Die nächsten drei Teams in unserer Serie “Die Hinrundenbilanz”. VfL Wolfsburg, Werder Bremen und Schalke 04, Platz 6 bis 9. Wolfsburg probiert diese Saison wieder einen Schritt nach oben zu unten, Werder und Schalke haben die Meisterschaft ausgerufen – alle drei Mannschaften sind mehr oder weniger weit entfernt von ihren Zielen. Hier also ein genauerer Blick

VfL Wolfsburg (Platz 9)

Im Jahr 2 unter Teammanager Felix Magath soll es weitergehen mit dem mittelfristigen Ziel Etablierung in der Spitzengruppe der Bundesliga. Nach dem erfolgreichen Endspurt im historischen Saisonfinale 2007/ 2008,  vier Mannschaften punktgleich auf Platz 4 – 7,  und dem erreichen des 5. Platzes sollte es diese Saison noch einen  Tick weiter nach oben gehen.

Und dafür wurde kräftig in neue Spieler investiert. 60 Mio. Euro dank Sponsor Volkswagen in den 2 Jahren unter Magath. Diesen Sommer kamen die beiden Weltmeister Zaccardo und Barzagli (zusammen 21 Mio.), Spielmacher Misimovic (4Mio.), Christian Gentner und Talent Caiuby (je 2,5 Mio.) sowie Korzynietz, Talent Wolze und Regionalliga-Torschützenkönig Saglik. Mit den Zugängen aus der letzten Saison wurde beinahe der komplette Kader unter Magath ausgetauscht. Aus der prämagath’schen Zeit standen diese Saison gerade einmal Santana (wird zurück nach Argentinien oder zu Espanyol Barcelona wechseln/ 6 Spiele), Krzynowek (Cottbus möchte ihn / 4 Spiele), Alexander Madlung (Vertrag läuft im Sommer aus) und Erstztorhüter Lenz (1 Spiel) sporadisch auf dem Platz.

“Unser Kader ist besser als im Vorjahr, das ist deutlich erkennbar”, so Magath vor dem ersten Spieltag – trotzdem ist es bis jetzt nur Platz 9, sechs Punkte hinter der direkten Qualifikation zum europäischen Geschäft. Schuld daran ist scheinbar die Auswärtsschwäche der Wölfe – 0 Siege, 4 Unentschieden, 5 Niederlagen. Denn zu Hause in der Volkswagen-Arena klappt es wunderbar. Platz 2 in der Heimtabelle mit 22 Punkten bei 8 Spielen hinter Hoffenheim (9 Spiele/ 23 Punkte).

Was ist also noch zu erwarten von den Wolfsburgern in der Rückrunde? Beinahe alle Mannschaften vor den Wölfen (bis auf Hamburg, wurde zu Hause 3:0 gewonnen) kommen noch zum Gastspiel in die Autostadt, im Umkehrschluss geht es in der Rückrunde zu den vermeintlich schwächeren Mannschaften. Sollte also weiterhin zu Hause so überzeugend gespielt werden und in der Fremde auch noch ein paar Siege zu Stande kommen, scheint das Minimalziel UEFA-Cup nicht mehr weit entfernt zu sein.

Im DfB-Pokal wurde zudem das Achtelfinale erreicht (Heimspiel gegen 2.-Ligist Hansa Rostock). Im UEFA-Cup wurde man Gruppenerster vor dem großen AC Mailand, Sporting Braga, dem englischen Vertreter Portsmouth und SC Heerenveen. In der Zwischenrunde geht es nun gegen den momentan Sechsten der französischen Liga, Paris St. Germain.

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SV Werder Bremen (Platz 8 )

Für den neutralen Fußballfan hat Werder immer etwas zu bieten – zumindest ist dies meine Erwartungserhaltung. Und ich wurde nicht enttäuscht. Das Wahnsinnsspiel am 6. Spieltag gegen Hoffenheim. 5:4, nach 4:1 Führung noch den Ausgleich kassiert und dann doch noch in Unterzahl den Siegtreffer erzielt. Oder das 5:2 eine Woche zu vor bei den Bayern – 5:0 Führung nach 67. Minuten. Oder das 3:3 gegen Dortmund. Langeweile in den ersten 59 Minuten, dann der 2:2 Ausgleich in der 88., Führung in der Nachspielzeit und dann doch noch den Sieg verspielt. Oder der Spielwitz bei den Kantersiegen gegen die Hertha (5:1) und gegen die Frankfurter Eintracht (5:0) im heimischen Weserstadion ließen Fußballerherzen höher schlagen.

Viele Tore und Gegentore bei den Bremern.  Ein Traum für den gemeinen Fan, ein Gräuel für die Bremer Verantwortlichen. Gerade einmal 2 Spiele wurden in der Bundesliga zu Null gespielt, das erste Mal am 12. Spieltag. “Das ist etwas Schönes,” so Torwart Wiese zu seiner ersten Nullnummer gegen Bochum. “Aber irgendwann kommen auch wieder die Zeiten, wo wir 1:0 oder 2:0 gewinnen werden.”

Die Freude über das erste 0:0 überwog dabei den Verlust der zwei Punkte bei einer Mannschaft aus dem Tabellenkeller. Denn dem Bremer Licht, folgte viel Schatten. Dem 5:1 gegen die Hertha, folgte eine heftige 3:0 Heimniederlage in der Champions-League gegen Panathinaikos Athen, welche die gute Ausgangslage für das Erreichen der nächsten Runde zu Nichte machte. Dann das 0:0 in Bochum.

Es fehlte den Bremern einfach an Konstanz um die Siegermentalität eines Titelanwärters im Laufe der Hinrunde zu entwickeln. Eigentlich selbstverständlich bei einer Mannschaft, die fünf Jahre am Stück in der Champions-League spielt, doch im Moment nicht in Bremen.

Aber woran liegt es? Diego spielt eine ordentliche Saison (8 Tore/ 3 Assist), sorgte allerdings für etwas Unruhe – erst der Zoff um seine Olympiateilnahme, dann Trainigsverspätungen ließen Kapitän Frank Baumann klarstellen: “Wir spielen einen Mannschaftssport. Da gibt es gewisse Regeln, an die sich jeder halten muss, sonst funktioniert es nicht”.

Die Abgänge von Klasnic und Borowski wurden kompensiert. Für den Kroaten wurde Pizarro von Chelsea ausgeliehen (10 Tore), für Borowski hat sich Özil in der Stammelf etabliert. Ansonsten steht das Gerüst der vergangenen Saison: Naldo, Mertesacker in der Innenverteidigung, Frings, Baumann im Mittelfeld, neben Pizarro im Angriff Almeida, Rosenberg und Sanogo.

Ein Schwachstelle diese Saison sind allerdings die Außenverteidiger: Fritz ist ein großes Formtief nach der EM gerutscht, zudem legte eine Verletzung ihn lahm, Neuzugang Prödl blieb hinter den Erwartungen zurück, Pasanen suchte seine Form. Die Jungen Tosic und Boenisch sind nicht die erhofften Alternativenauf der Außenbahn, genauso wenig wie der Anfang 2007 geholte junge Peter Niemeyer noch Neuzugang Husejinovic im Mittelfeld.

Der Vizemeister ist nun 9 Punkte hinter der Tabellenspitze und 7 Punkte hinter dem selbstausgerufenen Minimalziel Platz 3, in der Champions-League wurde der Notausgang UEFA-Cup mit viel Glück erreicht – der AC Milan wartet nun in der Zwischenrunde. Im DfB-Pokal ist man auch noch verteten – es geht für Bremen nach Dortmund.

Torsten Frings warnte die Konkurrenz schon: Im neuen Jahr werden wir angreifen.  Im neuen Jahr wird die Liga wieder das alte Gesicht Werders kennenlernen.” Allerdings in den ersten Spielen ohne Diego und Pizarro, die wegen Tätlichkeiten noch 3 und 2 Spiele gesperrt sind. Dafür allerdings eventuell mit dem griechischen Neuzugang Tziolis von Champion-League-Gegner Panathinaikos Athen, der bis zum Saisonende ausgeliehen wurde und dem wiedergenesenen Langzeitverletzlen Daniel Jensen.

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FC Schalke 04 (Platz 7)

Anfang Juli formulierte Schalke-Präsident Schnusenberg das Saisonziel für diese Saison. Nach dem 3. Platz letzte Saison sollte dieses Jahr die direkte Qualifikation für die Champions-League rausspringen – also Platz 2 oder Meisterschaft. Dafür wurde der Kader punktuell verstärkt. Der niederländische Nationalspieler Orlando Engelaar (5,5 Mio. Euro) sollte das Mittelfeld verstärken und der Peruaner Jefferson Farfan wurde für die Außenstürmerposition (10 Mio. Euro) verpflichtet. Beides vielsprechende Verpflichtungen – Engelaar bestritt alle Spiele seiner Nationalmannschaft während der EM, Farfan schoss für PSV Eindhoven in 90 Spielen 48 Tore in der Eredivisie.

Zumindest Farfan belebte das Schalker Offensivspiel (5 Tore / 5 Assists), wogegen Engelaar noch nicht richtig in der Bundesliga angekommen ist. Der Wunschspieler und “Ziehsohn” vom neuen Trainer Fred Rutten wurde von den Kapitänen der 18 Bundesligisten zur Enttäuschung der Hinrunde gewählt und eine 4,50 als Kickernoten bei 11 benoteten Spielen sprechen eine eindeutige Sprache.

Engelaar, einer der Transfers in den letzten Jahren auf Schalke, der nicht die erhoffte Verstärkung war. Streit, Großmüller, Sanchez, Zé Roberto II, Lövenkrands, alles Neuzugänge unter Manager Müller, die sich nicht auf Schalke durchsetzen konnten.

Diese Saison ein großes Thema auf Schalke. Ex-Trainer Mirko Slomka meldete sich zu Wort: “Man kann schon sagen, dass sie mir zum Verhängnis geworden sind. Aber ich will zu dem Thema nur noch eins sagen, und das können Sie interpretieren wie Sie wollen: Ich werde nie wieder einen Spieler akzeptieren, mit dem ich nicht selber mindestens einmal am Tisch gesessen habe und den ich nicht wenigstens einmal live gesehen habe”. Und auch Müllers Vorgänger Rudi Assauer gab seinen Senf dazu: “Die Leute, die jetzt am Ruder sind, müssen sich eingestehen: Verdammte Hacke, wir haben Fehler in der Einkaufspolitik gemacht. Das, was wir geholt haben, funktioniert nicht. Engelaar ist für mich ein Spieler, der höchstens unteres Bundesliga-Niveau hat. Der könnte in Hannover spielen, nicht auf Schalke.”

Berechtigte Kritik? Müller wehrt sich auf jeden Fall und schießt scharf zurück: “Assauer hat den Laden hier mit seinen teuren Flops finanziell fast an die Wand gefahren – darunter litt Schalke noch Jahre. Slomka hat einen Hamit Altintop zu Bayern vergrault – und die Neuzugänge links liegen gelassen.”

Aber irgendwie scheint die ganze Diskussion etwas bewirkt zu haben. Es wird in der Winterpause kräftig “ausgemistet”. Die Verträge mit Varela und Lövenkrands wurden zum 31.12.2008 aufgelöst, Zé Roberto wird zu Flamengo Rio de Janeiro aussgeliehen – nachdem er ankündigte nicht mehr zu Schalke zurückzukehren -  und Carlos Grossmüller spielt sowieso schon seit Saisonbeginn bei der U23 in der Regionalliga. Dorthin wurde nun auch Albert Streit verband, was sofort zu neuem Zoff auf Schalke führte. Streit: “Auf Schalke ist mir der Spaß am Fußball vergangen. Ich bin hier immer nur links liegengelassen worden.” Trainer Rutten dazu: “Wir reden hier nicht über Maradona. Wenn einer ein Arschloch ist, würde ich ihn dennoch aufstellen, wenn er zu den besten Spielern gehören würde.”

Ja, ja, da war schon was los auf Schalke in der Hinrunde. Angefangen bei Rafinhas Olympiateilnahme und folgender Rekordstrafe, die ständigen Pfiffe gegen Kuranyi aus der Fankurve und sein plötzlicher Abschied in der Halbzeitpause des EM-Qualifikationsspiels gegen Russland sorgten nicht unbedingt für Ruhe auf Schalke.Denn vielleicht hätte man diese mehr benötigt um konzentriert und erfolgreicher zu Arbeiten.

In der Bundesliga nun auf dem 7. Platz, 6 Punkte hinter der Hertha auf dem 3. Platz, der Qualifikation zur Champions-League. 27 Punkte, 24:16 Tore. Am wenigsten Gegentore aller Mannschaften der Liga, hinten steht die Mannschaft sicher. Torwart Neuer strahlt Ruhe aus, die Alternativen für die Viererkette mit Rafinha, Bordon, Kristajic, Westermann, Pander und Höwedes sind stark und vielseitig. Besonders Höwedes ist hervorzuheben, der dieses Jahr die Entdeckung auf Schalke ist. Dazu Manager Müller noch einmal bei seiner Verteidigung der Transferpolitik: “Wir haben hier Werte geschaffen. Ich habe Jones geholt, gegen viele Widerstände. Jetzt ist er Nationalspieler. Rafinha hat seinen Wert vervielfacht. Westermann ist ein Volltreffer. Jungstars wie Neuer oder Höwedes werden gejagt. Sie alle sind Schalkes Zukunft.”

Im Gegensatz zur starken Defensive steht das Offensivspiel der Schalker. “Nur” 24 geschossene Tore, am wenigsten von den Mannschaften in der oberen Tabellenhälfte. Das Problem sehen viele darin, dass nach dem Weggang von Lincoln vor 2 Jahren ein echter Spielmacher fehlt. Ernst, Jones, Engelaar, Kobiashvili sind eher defensiver ausgerichtet, der als Nachfolger Lincolns verpflichtete Rakitic wird dem Prädikat Spielmacher nicht gerecht und spielte öfters diese Saison auf der Außenstürmerposition.

Weiter auffällig ist, dass Schalke  mit Kevin Kuranyi nur über einen echten Strafraumstürmer verfügt. Asamoah, Farfan und Halil Altintop sind eher Spieler für die Außenbahn. Und Kuranyi spielt eine recht unbeständige Saison, traf von 23 Pflichtspielen nur in sechsen davon, allerdings 2 mal doppelt, also in 17 Spielen ohne Torerfolg.

Für Aufsehen sorgte Heiko Westermann in der Anfangsphase der Hinrunde. Der aus Personalnot ins Mittelfeld beorderte Defensivallrounder traf in 5 aufeinanderfolgenden Spielen. In der Bundesliga am 2., 3. und 4. Spieltag (1:1 Bremen, 1:0 Bochum, 3:3 Dortmund), zwischendurch beim 4:1 im UEFA-Cup erste Runde gegen Nikosia und beim 6:0 der Nationalmannschaft gegen Liechtenstein. Damit ist er Dritter in der internen Schalker Torjägerliste hinter Kuranyi und Farfan.

Neben der verpatzten Hinrunde in der Bundesliga, blieb Schalke auch weit hinter den eigenen Erwartungen in Europa zurück. In der Champions-League-Qualifikation schieden die nach einem Auswärtsdebakel mit 4:0 gegen Atletico Madrid aus, in der Gruppenphase des UEFA-Cups wurde man Gruppenletzter.

Hoffnung liegt nun auf dem DfB-Pokal. Dort überwinterten die Schalker und im Achtelfinale geht es gegen den einzig verbliebenen Drittligisten Carl-Zeiss-Jena.

Auf Schalke gibt man sich kämpferisch für die Rückrunde. Mal wieder Manager Müller: “Die spielerische Verbesserung war vor der Winterpause schon zu erkennen, aber wir waren vor dem gegnerischen Tor nicht effektiv genug. Wir haben einen Neuanfang, Spieler und Trainer mussten sich erst aneinander gewöhnen, aber ich sehe die Zukunft positiv.” Im Gegensatz zu anderen Mannschaften soll es in der Winterpause keine großen Neuverpflichtungen geben. Das verpflichtete Stümertalent Pourie vom FC Liverpool wurde gleich wieder verliehen an 1860 München.

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Jan 14th, 2009


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  1. [...] an Müller war schom im Herbst die katastrophale Transferpolitik. Streit, Großmüller, Sanchez, Zé Roberto II, Lövenkrands, alles teure Neuverpflichtungen der [...]

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