Hinrundenbilanz Teil 3: Das graue Mittelfeld
Jan 12th, 2009Teil der 3 der Reihe – Die Hinrundenbilanz. Hier nun ein Blick auf den 1.FC Köln, Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart, die Plätze 10 – 12. Mannschaften, die mit den unterschiedlichsten Erwartungshaltungen in die Saison gestartet sind und sich nun im Mittelfeld der Tabelle wiederfinden. Und ohne eine große Siegesserie, bzw. einen katastrophalem Einbruch nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben werden, geschweige um die neu geschaffene Europa League mitreden werden.
Eintracht Frankfurt (Platz 12)
In Frankfurt hütete man sich zu Saisonbeginn öffentlich ein Saisonziel zu formulieren. Aber nach dem vom Namen her vielsagenden Neuzugängen Bellaid, Korkmaz, Liberopoulus und Bajramovic und der Aussage vom Vorstandschef Bruchhagens – “Wir haben uns nicht verschlechtert. Aber für was es dann im Wettbewerb reicht, muss man abwarten.” – lässt sich herauslesen, dass über 46 Punkte erreicht werden sollten.
Um dieses Ziel jedoch zu erreichen, müsste jedoch eine viel konstantere Rückrunde gespielt werden. Bis zum 22. Oktober mussten sich die Frankfurter Fans gedulden um den ersten Saisonsieg ihrer Mannschaft zu bejubeln. Ausgerechnet im Nachholspiel gegen den Karlsruher SC – Madonna sei Dank – gelang der Eintracht nach sieben Spielen der erste Sieg.
Nach dem Rückstand in der 82. Minute drehten die Frankfurter noch das Spiel und der nach Verletzungspause eingewechselte Amanatidis brachte in der Nachspielzeit den erlösenden Siegtreffer. Drei Tage später wurde dann auch der erste Auswärtssieg eingefahren. Nach einem 0:2 Rückstand in Cottbus wurde das Spiel noch zu einem 3:2 gedreht. Ein sichtlich geschaffter Funkel dazu: “Das können wir nicht durchhalten über weite Strecken der Saison und auch nicht als Trainer, das können sie mir glauben. Ich hoffe, dass wir auch mal in der Lage sein werden endlich wieder in Führung zu gehen und dann auch mit einer Führung auch ruhiger und besser Fussball zu spielen.”
Und mit diesem Kampf und Leidenschaft hat es die Eintracht geschafft, sich aus dem direkten Absteigskampf etwas zu befreien und die große Verletzungsmisere der Stammkräfte – besser als Hannover – weggesteckt. Die einzigen Konstanten und von größeren Verletzungen verschonten im Team waren Ochs, Russ, Steinhöfer und die beiden Angreifer Fenin und Liberopoulus. Besonderd Steinhöfer hat mir diese Saison auf der Außenbahn bei den Frankfurtern gut gefallen.
Ansonsten hört sich die Verletzenliste böse an: Vasovski, Bajramovic, Preuß (noch kein Spiel nach Knorpelschaden im Jahre 2008) ohne Saisoneinsatz, Hoffnungsträger Korkmaz mit zweimaligem Mittelfussbruch, Amanatidis OP am Außenband, Chris seit dem 5. Spieltag, Spycher seit dem 11., Alexander Meier nur mit zwei Kurzeinsätzen.
Aber für die Rückrunde gibt es Hoffnung: Korkmaz, Bajramovic, Chris und Meier haben sich zurückgemeldet, zu dem wurde eine Option für den Angriff verpflichtet: Kameruns Olympiateilnehmer Kweuke wurde ausgeliehen vom slowakischen Erstligisten DAC Dunajska Streda. Dort erzielte er unter Trainer Werner Lorant 11 Tore in 16 Spielen.
Wohin geht es also in der Rückrunde für die Frankfurter Eintracht, denn der jetzige Tabellenplatz kann nicht der Anspruch sein, obwohl er im Moment gerechtfertigt ist. Gegen die Mannschaften unter ihnen wurde beinahe immer gewonnen (bis auf ein Unentschieden in Bielefeld), gegen die Plätze 9 bis 11 (Köln, Stuttgart, Wolfsburg) unentschieden gespielt und gegen höher platzierte Mannschaften immer verloren. Ich denke, sollten die Stammkräfte gesund bleiben und die jetzigen Verletzen ins Mannschaftsgefüge integriert werden, sollte die Eintracht nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Jedoch um das unausgesprochene Saisonziel 46 Plus zu erzielen, wurde zu schlecht in die Saison gestartet.
Zum Abschluss noch eine schöne Spielerkritik von Trainer Friedhelm Funkel nach dem 0:2 Saisonauftakt gegen die Hertha: “Ochs steht draußen und will Erdbeeren pflücken oder ich weiß nicht was!”
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1.FC Köln (Platz 11)
Für den 1.FC Köln heißt es diese Saison nur nicht wieder direkt absteigen. Nach 4 Ausftiegen und 3 Abstiegen in den vergangenen 10 Jahren soll nun der erste Grundstein für einen langfristigen Verbleib und Etablierung in der 1. Liga gesetzt werden. Dazu wurde anfangs der Saison groß eingekauft: Protugals Nationalspieler (57 Länderspiele) Petit, Innenvertiediger Geromel (Top 3 der Verteidiger nach Kicker-Noten diese Saison), sowie die bundesligaerfahrenen Brecko, Wome, Sanou, Ishiaku und Radu – allesamt Nationalspieler ihrer Länder.
Und diese Investitionen scheinen sich bezahlt zu machen. Platz 12 in der Tabelle, 7 Siege, ein Unentschieden, 9 Niederlagen, 9 Punkte entfernt von einem Abstiegsplatz. Und es wird ruhig gearbeitet in der Domstadt, zu mindest bis jetzt. Vielleicht weil sich der Boulevard hauptsächlich mit dem allumfassenden Thema beschäftigt: Kommt der verlorene Sohn, der Prinz zurück? Die Münchner Bayern wollen mindestens 10 Millionen für Podolski haben und die Kölner scheinen bereit zu sein diese Summe zu zahlen. “Ich denke, dass wir bis Ende des Monats eine Lösung hinkriegen”, so Bayern Manager Hoeneß. Es geht wohl nur noch um Kleinigkeiten, dann scheint der Wechsel im Sommer beschlossene Sache zu sein.
Und den Kölnern steht eine Verstärkung der Offensive gut zu Gesicht. Denn bis jetzt ist Kölner Torgefahr nur mit einem Namen verbunden: Milivoje Novakovic – mit 10 Treffern die klare Nummer 1klar der internen Torschützenwertung. Gut das der langzeitverletzte Ishiaku wieder fit ist und eine Alternative im Angriff bietet.
Das Herzstück der Kölner ist die starke Defensive. Neuzugang Geromel und Mohamad bilden die solide Innenverteidgung, Routinier Petit und der 19jährige Pezzoni ziehen die Fäden im defensiven Mittelfeld, auf den Außenpositionen sollen Brecko und Wome für Entlastung sorgen. Schmezlich vermisst wird dabei Ümit Ozat, der am 3. Spieltag für die Schrecksekunde nach seinem Zusammenbruch im Spiel gegen Karlsruhe sorgte. Der Türke leidet unter einer bis dahin nicht entdeckten Herzmuskelentzündung. Ob er noch einmal auf den Fussballplatz zurückkehren wird ist weiterhin fraglich. Aber erste positive Signale kamen schon von ihm: “Ich freue mich, dass alles so gut läuft und werde weiterhin alles daran setzen, so schnell wie möglich wieder richtig gesund zu werden”.
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VfB Stuttgart (Platz 10)
Nichts halbes und nichts ganzes im Schwabenland. In der Bundesliga hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, steht man im Jahr 2009 immerhin in der Zwischenrunde des UEFA-Cups gegen Titelverteidiger Zenit St. Petersburg und im Achtelfinale des DFB-Pokal gegen die Bayern.
Nach einem durchwachsenen Saisonstart stand man am 9. Spieltag nach einem 2:0 gegen den VfL Bochum auf dem 4. Tabellenplatz mit 16 Punkten – aber alles sehr eng in der oberen Tabellenhälfte, Köln auf Platz 11 hatte mit 3 anderen Mannschaften 13 Punkte auf dem Konto.
Aber dann rutschte man in eine Krise: 5 sieglose Spiele mit einem 1:4 in Wolfsburg als Tiefpunkt, was Trainer Armin Veh seinen Job kostete. Vor dem Spiel in Wolfsburg zeigte sich Noch-Trainer Veh für einen Bundesliga-Trainer ungewohnt selbstkritisch: “Wir sind momentan gefühlter 19. Der entscheidende Punkt für unsere Situation ist die Personalpolitik, die wir nach der Meisterschaft 2007 gemacht haben. Dafür bluten wir heute noch. Die sportliche Führung, also ich, Horst Heldt und auch Jochen Schneider haben nicht die richtigen Leute geholt. Die Selbstkritik habe ich!”
Dies sah Veh für die begrenzten Möglichkeiten der Stuttgarter auf dem Transfermarkt anfang der Saison. Aus der 2. Bundesliga wurde der schwierige Tscheche Jan Simak und Martin Lanig verpflichtet. Dazu kamen Bundesliga-Rückkehrer Boulahrouz für den abgewanderten Fernando Meira und Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann.
Einzig und allein Lehmann konnte von den Neuzugängen restlos überzeugen. Boulahrouz wurde nicht richtig fit (3! Muskelfaserrise), Simak und Lanig konnten ihr Potenzial nicht abrufen. Generell auffällig bei den Stuttgartern diese Saison war die Formschwäche der vermeintlichen Führungsspieler und viele kleinere und größere Verletzungen der Akteure, was es schwer machte eine Stammformation zu finden.
Ab dem 15. Spieltag saß nun Markus Babbel auf der Bank und hauchte der Mannschaft neues Leben ein. Seine Trainerpremiere wurde mit 2:0 gegen Schalke gewonnen, einem 3:0 in Cottbus folgte ein Unentschieden am letzten Spieltag gegen die Bayern, was den Münchnern die Herbstmeisterschaft kostete. Zu dem gewann der VfB Stuttgart das entscheidene letzte Spiel in der Gruppenphase unter Babbel gegen Standard Lüttich mit 3:0.
Klar also, dass die Stuttgarter längerfristig mit Markus Babbel als Trainer planen wollen – am liebsten über das Jahr 2009 hinaus. Dies ruft nun jedoch den DfB auf den Plan, da Babbel noch nicht den elfmonatigen Lehrgang als Fußballlehrer absolviert hat. Neuerdings ein Muss für jeden Trainer in der Bundesliga. “Die Verantwortlichen beim DFB, der DFL und bei den Vereinen sind sich einig, dass wir gut beraten sind, die Position und den Stellenwert des Trainers aufzuwerten. Es sollte daher selbstverständlich sein, dass wir bei der Ausbildung eine große fachliche Qualität gewährleisten, und das erfordert auch ein umfangreiches zeitliches Engagement beim Absolvieren des Fußball-Lehrer-Kurses,” heißt es aus DfB-Kreisen. Und es soll keine Ausnahmeregelungen mehr geben für verdiente Nationalspieler, was so viel heißen würde, dass Babbel nur noch sein Traineramt bis Ende der Saison ausüben könnte. Mehr zumThema hier.
Autor: Trainer Bussi
zum VfB und Armin Veh:
das war er dort in der pressekonferenz vor dem wolfsburg-spiel sagte, verdient meines erachtens nach allerhöchsten respekt. solche töne ist man trainern eher nicht gewohnt, meistens wird in solchen fällen die “schuld” auf die manager abgewälzt. leider hat ihm diese aufrichtigkeit letztendlich den job gekostet – so ist nun mal das geschäft in der BuLi :/ . danke armin für deine top-arbeit beim VfB und der krönung, dem gewinn der meisterschaft, sowie den einzug ins pokal-finale!