Der bayerische Sommer

Aug 25th, 2008

Was herrschte für eine Euphorie in München. Deutschlands Trainer-Liebling Jürgen Klinsmann wurde als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld vorgestellt. Der, der schon die Nationalelf revolutionierte, soll den FC Bayern zurückführen in die internationale Spitze.

Es wurde ein hochmodernes, von anderen europäischen Spitzenklubs beneidetes, Leistungszentrum eingerichtet, der 8-Stunden-Tag für die Profis eingeführt, ein riesiger Trainer- und Betreuerstab eingestellt – alles um ein neues bayerisches Wir-Gefühl zu etablieren.

Man holte den Bremer Führungsspieler Tim Borowski ablösefrei und mit Hans-Jörg Butt einen international erfahrenen Mann hinter der neuen jungen Nummer 1 Rensing. Und was schwirrten wieder für Namen als weitere Neuverpflichtungen durch den Raum: Gattuso, Gomes, Hleb.

Doch dann ziehen erste Wolken auf. Superstar Ribery verletzt sich bei der Europameisterschaft schwer, Podolski ist nach einer guten EM beleidigt über die bayerische Liebelei mit Gomes und äußert öffentlich Abwanderungsgedanken. Die Vorbereitung läuft schleppend an, da ein Großteil der Bayern-Stars noch im wohlverdienten Extra-Urlaub nach der EM sind. Mit jeweils 1:0 gehen die einzigen echten Härtetests gegen Dortmund und Inter Mailand verloren. Weitere Verletzungen überschatten den Bayern Alltag. Luca Toni ist den halben August verletzt, Demichelis zieht sich einen Meniskusriss gegen Mailand zu, Willy Sagnol hat einen Defekt an der Achillessehne und fällt lange aus. Einziger kleiner Lichtblick in der Vorbereitung ist das Spiel in Japan gegen Urawa Red Diamonds, welches mit 4:2 gewonnen wird.

Die Bayern Verantwortlichen sagen einen schweren und holprigen Saisonauftakt voraus. Und so kommt es auch. Die erste Pokalrunde wird knapp überstanden, das erste Spiel gegen den HSV zu Hause geht 2:2 aus. Und auch am 2. spieltag kam man nicht über ein 1:1 bei Borussia Dortmund hinaus.

Aber in München herrscht immer noch die typische Gelassenheit. “Wir haben gesagt, dass es ein holpriger Start wird nach der schwierigen Vorbereitung und den vielen Verletzungen. Wenn wir jetzt schon vorne wären, dann wäre die Bundesliga schon jetzt ziemlich langweilig”, so Bayern Manager Uli Hoeneß.

Ja, damit hat der gute Uli Recht. Aber wie lange soll der “Start” und die spielerische Selbstfindung der Bayern dauern? Bis Ribery voraussischtlich im September wieder fit ist – vorausgesetzt er findet prompt zu seiner alten Klasse wieder? Oder vielleicht doch erst Mitte September zum Start des Primärziels Champions-League-Gewinn?

Für mich hört sich das im Moment ziemlich arrogant an. “Alle ganz ruhig, wir sind die Bayern, wir machen das schon. Champions-League wird schwer, aber die Meisterschaft nehmen wir im Vorbeigehen mit. Wenn der Zug erst mal ins Rollen kommt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten.” Gefährlich, gefährlich, liebe Bayern.

Autor: Trainer Bussi





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