Chelsea gegen Cluj – 90 Minuten mit Michael Ballack

Am Ende reichte dem FC Chelsea ein knapper 2:1 Sieg gegen den rumänischen Vertreter Cluj zum Einzug ins Achtelfinale. Da ich bei vielen Online Magazinen Schlagworte wie “…zittern sich zum Sieg…” oder “…trotz schwacher Leistung…” lesen muss, dachte ich, schreibste mal deinen Eindruck vom Spiel an der Stanford Bridge – unter besonderer Beobachtung von Michael Ballack.

Die Londoner begannen druckvoll in den ersten Minuten, wollten augenscheinlich gleich zu Beginn für ein frühes Tor sorgen, um nicht wie zwei Wochen zuvor gegen Bordeaux ein langanhaltendes, lähmendes 0:0 mitschleppen, das für Unsicherheit auf der eigenen – und für Motivation auf Seiten des Gegners sorgen würde.

So versuchten sie zunächst über ihre Außenstürmer das Spiel breit zu machen und über Eins gegen Eins Situationen zu Freistößen oder gefährlichen Durchstößen zu kommen. Michael Ballack war dabei zusammen mit Deco die Schlüsselfigur, der Spielmacher. Er holte sich an so ziemlich allen Orten des Platzes den Ball ab, versuchte so, das Spiel zu leiten und ggf. den gefährlichen Pass zu spielen. Beiden gelang dies eher selten. Es waren mehr 5 bis 10 Meter-Pässe zum nächst stehenden Mitspieler. Cluj machte die Räume vor allem im Zentrum enorm eng und schaffte es stets zwei bis drei Spieler blitzartig auf den Ballführenden abzustellen. Die Raumaufteilung der Rumänen war beeindruckend.

Da Ballack und Co häufig zugestellt waren und sich dadurch selten klare Pässe spielen ließen, konnte man auch immer wieder aussichtslose Versuche erkennen, mit dem Ball irgendwie durch drei Rumänen durchzutanzen – was fast immer zum Ballverlust führte und manchmal auch für Kontermöglichkeiten sorgte.

Diese Vorstöße von Cluj führten selten zum Abschluss und wurden zumeist von den starken Terry und Alex in der Innenverteidigung oder vom zweikampfstarken Sechser Obi Mikel geklärt. Es gab eine Phase von circa 20 Minuten (ca. 15.-35. Minute), wo die Gäste zwei halbwegs gefährliche Chancen verbuchen konnten, Ausgangspunkt wieder Ballverluste beim Spielaufbau Seitens der Londoner. Ansonsten sah man vor allem eine ideenlose Heimmannschaft, die häufig durch Standards gefährlich wurde. So führte ein Freistoß auch schließlich zur erlösenden Führung. Freistoß Deco, Abschluss Kalou – Tor.

Die Leistung Ballacks in der ersten Halbzeit war in Ordnung, aber nicht berauschend. Läuferisch wieder sehr viel gearbeitet, war überall präsent und forderte den Ball. Zwei drei starke Situationen gehabt, ansonsten aber ähnlich einfallslos wie seine Kollegen. In der Defensive kämpferisch und aggressiv unterstützte er ein ums andere Mal erfolgreich Mikel in der zentralen Defensive.

Zweite Halbzeit: Man merkte, wie die Kräfte des aufopferungsvoll kämpfenden Gegners aus Rumänien langsam aber sicher schwanden. Chelsea nun mit mehr Räumen und auch läuferisch in der Offensive agiler. Vor allem Deco erwachte langsam und sorgte mit Pässen in die Tiefe ein ums andere Mal für Gefahr. Cluj hatte über die gesamte zweite Halbzeit einen nennenswerten Angriff, ansonsten spielte wirklich nur die Heimmannschaft aus London.

Dass dieser eine Angriff vom Gast wunderschön vorgetragen zum Torerfolg führte, war mehr als überraschend und spielerisch absolut unverdient. Dem neutralen Fan erfreute der Gedanke, eine mögliche Wende und ein spannendes Finale erwarten zu können.

Dem war aber absolut nicht so. Die Londoner kombinierten gekonnt und schnell durch das Mittelfeld und zeichneten einen Spielverlauf, dem man sonst nur vom Handball gewohnt ist. Belagerung in der rumänischen Hälfte. Zwangsläufig führte diese Überlegenheit dann auch zum Tor. Der eingeweschelte Drogba schloss einen sehenswerten Angriff über die rechte Seite mit einem technisch brillanten Tor ab. Ausgangspunkt des Angriffs war ein öffnender Pass von Michael Ballack.

Ansonsten war Ballack in der zweiten Spielhälfte aber unauffälliger und überließ Deco über weite Strecken die Spielmacherrolle. Ich denke auch, dass seine defensiver ausgelegte Spielweise einer taktischen Maßnahme verschuldet war, wonach es genau seiner Rolle entsprach, nicht den finalen, sondern vielmehr den öffnenden Pass zu spielen.

Insgesamt eine gute bis durchschnittliche Partie unseres Kapitäns, für meinen Geschmack zu unauffällig und defensiv ausgerichtet, zumindest in der zweiten Halbzeit. Über 90 Minuten reichte es für einen Schuss aufs gegnerische Tor – erinnerte an Hoeneß’ Elfer in den Nachthimmel von Belgrad…

Seine Kopfballstärke kam überhaupt nicht zum Tragen, keine Flanke schaffte es in die Nähe seines Kopfes, sei es bei Ecken, Freistößen oder hohen Bällen aus dem Spiel heraus (Cole & Bosingwa können nicht flanken glaub’ ich, jedenfalls versuchen sie es erst gar nicht).

Chelsea’s Leistung war weder besonders schwach, noch hatte man den Eindruck, hier könnte was schief gehen. Die spielerische Überlegenheit war zu eindeutig, die individuelle Klasse allgegenwärtig. Am Ende also ein verdienter Sieg, der auch höher hätte ausfallen müssen. Respekt bleibt für den Außenseiter, der es in der ersten Halbzeit über Zweikampfstärke schaffte, 20 Minuten das Spiel mit zu gestalten. Ansonsten bleibt festzuhalten, dass sich die jeweiligen Online-Redakteure mal ein Spiel anschauen sollten – und sei es nur am Fernseher…

Die Ergebnisse der anderen Partien am Dienstag in der Champions League gibt es hier.

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Dez 10th, 2008


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