Abbruch GmbH gg die Auserwählten

Mai 6th, 2009

… oder Chelsea gegen den FC Barcelona. Nach dem Hinspiel war ja besonders Schiedsrichter Stark in die Kritik (zumindest sämtlicher Spanier) geraten, die sich über zu wenig gelbe Karten für die mauernden Londoner aufregten.

Insgesamt kann es nicht sein, dass das Team, das versucht nach vorne zu spielen, genauso viele Gelbe Karten bekommt, wie die Mannschaft, die nur Foul spielt

machte sich Trainer Guardiola nach dem Spiel Luft. Stark konterte, es wäre ein kampfbetontes Spiel gewesen…

Also, ich hätte auch ungerne mit Stark an diesem Abend getauscht, aber wenn man sich die kniffligen Szenen auch 10 mal in der Zeitlupe anschaut, kann man höchsten sagen: “Ja, könnte man Gelb geben… “. Um den Elfmeter ist es tatsächlich schade, und wer will es denn den Spaniern verübeln, dass sie sauer sind über ihre Unfähigkeit, aus der totalen Überlegenheit keine Bude gemacht zu haben? Da regt man sich schnell über Dinge auf, die das Wörtchen “Wenn” ganz Groß werden lassen.

Viel Kritik konnte vor allem der spanischen Presse über die Mauertaktik der Londoner gelesen werden. Und auch der neutrale Fan am Fernsehschirm hätte sicherlich gerne ein etwas abwechslungsreiches Spiel gesehen. Auf der anderen Seite hat Hiddink die wohl momentan einzige Chance genutzt, gegen die moemtan wohl stärkste Mannschaft der Welt keine 3-6 Buden zu bekommen – wie es vor Wochen dem FC Bayern ergangen ist, und wie es am Sonntag Real erging.

Abbruch GmbH nannte man das in 80er Jahren, wenn die Schweizer Nati mit Heinz Hermann, Heinz Lüdi und Andi Egli für so manches Chrüsimüsi auf dem Platz gesorgt haben. Unter dem damaligen Trainer Wolfisberger erlangten die drei Abwehrspieler diese charmante Bezeichnung durch saubere Arbeit in der Defensive. Italien bekam das (als amtierender Weltmeister) im Jahr 1982 zu spüren – mit 0:1 wurde das Catenaccio nach Hause geschickt.

Das Schweizer Abwehruhrwerk wurde damals übrigens von keinem geringeren Mittelfeldspieler unterstützt, als Lucien Favre persönlich – den heute alle lieb haben – also zurecht :-)

Wenn man es – als Fußball-Liebhaber – der verteidigenden Mannschaft (hier Chelsea) instinktiv Übel nimmt, was einem dort am Bildschirm für Mauertaktiken präsentiert werden, so ist das ganz natürlich. Aber mal ganz rational betrachtet, sollten die Londoner trotz spielerischer Unterunterlegenheit weiterkommen! Ganz einfach weil da der einzige Deutsche spielt, der noch was reißen kann in der CL. Und man kann es dem Ballack schon gönnen, sich dieses ewige Zweite-Platz-Verlierer-Image entledigen zu können, oder?

Und wenn Chelsea unglaublich glücklich mit 30% Ballbesitz und zwei zu zwanzig Torchancen weiterkommt, halte ich es gerne mit den schon oft zitierten, weisen Worten des Kugelblitzes: “Das is Fußball”.

— UPDATE — …nach dem Spiel

Schieri Stark wirds vielleicht freuen… Sein Kollege hat ihn heute mehr als rehabilitiert. Ballack macht den Heiner Brandt (wie @freistoss treffend beobachtet hat) und Drogba bemüht sich um ein späteres Treffen vor dem Stadion in trauter Zweisamkeit. Habe selten so viele (spielentscheidende) Fehlentscheidungen in einem Spiel gesehen… Aber, um beim Philosophen Ailton zu bleiben: “Das ist Fußball”! Ja, leider auch das…

Autor: Co-Trainer Basti





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4 Kommentare
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  1. Puh, was ein Spiel. Tatsächlich hätte man ein bis zwei Elfmeter für Chelsea geben müssen, das ist ja wohl mal klar. Auch die Nachspielzeit war mit 4 Minuten viel zu hoch angesetzt… Naja, was bleibt (zumindest was dieses Spiel betrifft) ist ein glücklicher Finalist, eine verständlicherweise sehr aufgebrachte Mannschaft und ein sehr umstrittener Schiri (haben eigentlich die Linienrichter auch nie etwas gesehen???). Auch hier bewahrheitet sich meiner Meinung nach wieder der berühmt berüchtigte Spruch: “Der Schiri ist ne Pfeife!”

  2. Wenn Drogba seine 100%ige reinmacht, hätte er andererseits auch später nicht zum Tanz bitten müssen, da sind wir wieder beim “Wenn”. In der Sun kann man übrigens ein paar Interviews der Spieler nachlesen, auch das Wort Schiebung wird zum Thema.
    http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/sport/football/article2416196.ece
    Kann da Schiebung Seitens der UEFA oder sonstiger Interessensvertreter ne Rolle spielen? Hatte der norwegische Schiedsrichter einfach nur nen schlechten Tag? War er zu sehr von den Ereignissen des Hinspiels beeinflusst?
    Warum gibt er drei Minuten in der ersten und gar vier Minuten in der zweiten Halbzeit als Zulage drauf? Nachdem er den ersten klaren Handelfmeter (mal abgesehen von den zwei weiteren strittigen Entscheidungen pro Barca) nicht gegeben hat, warum nicht den zweiten Fälligen in der 95. Minute?
    Für mich bleibt hier der fade Beigeschmack, dass sich der Schiedsrichter massiv gegen ein Weiterkommen der Engländer gestellt hat.

  3. Eine sehr sehr bittere Niederlage. Aber auf der anderen Seite muss man einfach sagen, dass Chelsea einfahc aufs zwerite Tor hätte gehen MÜSSEN. Sie haben zwar ab und an noch ein paar Szenen vorne zu stande gebracht. Aber eine richtige 100% gabs soweit ich mich zurückerinnern kann eben nicht. Und zu den Elfmetern… Naja einen hätte es vielleicht geben können. Drogba dachte wohl, wenn er sich zum dritten mal fallen lässt, dass der Schiri dann auf Elfer entscheidet. Den einen Elfer kann man geben, MUSS aber nicht.

    Barca so schwach. So glücklich. Einfach schade.

  4. @felix: drogba selbst hatte eine 100%ige auf dem fuß… im strafraum, lässt gegner ins leere laufen mit nem haken, allein vorm torwart – schaffts nicht mehr richtig zu schieben und der ball geht am tor vorbei….
    zu den nicht gegebenen elfern:
    drogba hat tatsächlich etwas zu motiviert das gleichgewicht verloren, aber zumindest bei dem einen handspiel bei anelkas versuchten heber gibs in meinen augen nix zu deuten – klares ding. bei ballacks schuss KANN man tatsächlich zwei augen zudrücken, aber nicht nach den vorigen elfmeterwürdigen aktionen. da hat der schieri schlicht die chance verpasst, seine vorigen fehler mit einem pfiff mehr oder weniger vergessen zu machen.
    dass chelsea nich aufs zweite tor ging muss man wohl im nachhinein kritisieren, vor allem, weil barca nur noch zu zehnt war, aber so is die taktische direktive. wenn sich chelsea nen konter fängt durch die schnellen jungens, haben sie alles falsch gemacht. gegen diese offensive denk ich, war das grundsätzlich das richtige mittel, zumal man selbst durch einen konter das zweite tor mit weniger aufwand und risiko hätte erzielen können. barca hatte schließlich über die 90 minuten gefühlte zwei mal aufs tor geschossen… erschreckend ungefährlich

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